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  • Julia Shimura

Gendern im Japanischen: Es ist noch viel zu tun

Nachdem ich diesen gut recherchierten Beitrag in der faz gelesen hatte, dachte ich, dass die japanische Sprache zwar richtig, aber ungenügend dargestellt ist, was das Gendern oder sprachliche Gleichstellung im Japanischen angeht. Tatsächlich sind viele Berufsbezeichnungen neutral, auch wenn man sich historisch bedingt generell Männer darunter vorstellt.


Was nicht gesagt wird in dem Artikel, ist, dass es eingebürgerte Begriffe und geschlechtsspezifische Redeweisen im Japanischen gibt, die kein gutes Bild auf Frauen werfen. Und auch wenn ich mit Japanerinnen darüber spreche, stoßen sie sich kaum daran. Nur ein paar bekennende Feministinnen sind sich darüber bewusst, priorisieren dieses Problem aber nicht nach oben.


Konkret handelt es sich um Ausdrücke wie 奥様 (oku-sama) bzw. 奥さん (oku-san), die verwendet werden, um eine verheiratete Frau zu adressieren ("Meine Frau...", "Ihre Frau..."). Das Schriftzeichen heißt einfach "ganz hinten" und wird auch im normalen Sprachgebrauch für lokale Angaben verwendet (z. B. "Ganz hinten im Haus", "Im Tiefsten meiens Herzens"). Einmal hat mir jemand erklärt, das entstamme einem historischen Bild. Die Frau sei eben ganz hinten im Haus tätig und wenn man sozusagen vorne im Salon anklopfte und sich nach dem Befinden der Frau erkundigen möchte, hätte man einfach oku-sama verwendet.


Es gibt Unterschiede darin, wie man spricht, ob man als Frau ist oder als Mann spricht. Soziolekte, die von Frauen benutzt werden, befinden sich meist irgendwo zwischen niedlich und elegant. Sie sind selbst-verharmlosend oder es gilt als fein, nicht alles direkt anzusprechen.

Extrembeispiele sind sogenannte Idols wie oben im Bild die erfolgreiche Mädchenband AKB48, die in Japan Vorbild für viele Frauen sind.


Es wäre falsch, zu denken, dass diese Frauen es irgendwie nicht schnallen oder auch diese Art zu sprechen von vorn herein zu verurteilen. Es sind gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Vorlieben, die hier deutlich werden. Und eines der bevorzugten Frauenbilder in Japan ist nunmal das des Cutie, was sich wiederum auf viele Frauen in Japan auswirkt.


Ein Programm des Staates mit dem Namen "Lifeplan" fördert nach Aussage des Business Insiders Japan Unterricht von Frauen, der auf das Kinderkriegen und Heiraten vorbereitet - und es fruchtet. Frauen werden ermutigt, Kinder zu kriegen. Kulminiert ist das Ganze in einem Vorfall, bei dem 32 Highschool-Schülerinnen wegen ihrer Schwangerschaft von der Schule wegblieben, und dazu von der Schule aufgefordert worden waren (hier in der Asahi Shinbun).


Die heutige junge Generation will also hauptsächlich eines: Heiraten und Kinder kriegen. Versteht mich nicht falsch, ich bin dafür, Mutterschaft mehr zu würdigen, sie wird z. B. in der Literatur kaum positiv dargestellt. Aber es stimmt auch, dass die Bandbreite der Rollen, die sich eine Frau in Japan aussuchen kann, recht begrenzt ist. Und das wird vom Staat auch noch gefördert.


Es ist also angebracht, bei der Frage nach den Gendersternchen auch die gesellschaftlichen Implikationen und Verhältnisse mitzubetrachten. Man muss im Japanischen keine Sternchen (oder andere Alternativen) verwenden, weil man nicht muss. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Sprache gut funktioniert, was Gleichstellung betrifft. Noch heißt das, dass man sich darauf ausrühen dürfte, dass es 女医 (jôi), den weiblichen Arzt, nicht mehr im allgemeinen Sprachgebrauch gibt.


Photo by Laura Lee Moreau on Unsplash

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